Fr—Mo Einblicke in die elektronische Subkultur aus Halle an der Saale 1990—2015

 


Wie bist Du auf die Idee gekommen, dieses Buch zu machen?

Falko: Ich habe ein Projekt gesucht, in das ich 3 Semester Energie stecken kann, ohne es genervt in die Ecke zu schmeißen. Am Anfang stand noch die Idee, weltweit DJs zu interviewen und so wichtiger zu wirken. Das habe ich aber schnell verworfen, da es in Halle eine so aktive und vielfälltige Szene gibt, dass ich die Ursachen dafür entdecken wollte. Auch kann ich heute meinen Lebensunterhalt größtenteils in der elektronischen Musik verdienen und aus Dank wollte ich den aktiven Leuten etwas zurückgeben.



Wie hast Du selbst die Szene in den letzten 25 Jahren erlebt?
Gibt es Unterschiede zu heute und wenn ja, welche?

Falko: Aktiv bin ich seit 2000 in der Szene und lege seit 2001, also betrachte ich mal die letzten 15 Jahre. Was sich geändert hat, ist, dass Techno gesellschaftlich akzeptiert ist, dabei aber unglaublich viele verschiedene Spielarten entwickelt hat. Auch sind in Deutschland die Mega-Raves zurückgegangen. Es gibt keine Loveparade mehr und die großen Gewinner sind die Festivals, die wie Pilze aus dem Boden schießen. Hier muss man, wie überall, die Perlen finden. Generell ist die Szene professioneller geworden und hat dadurch ein bisschen Unschuld verloren. Die Leute, die wirklich was in der Szene bewegen, sind aber immer vom Typ her die gleichen Leute. Nach wie vor kann man zum Beispiel nicht alleine davon Leben, einen Club zu machen. Da steckt immer purer Idealismus und Wahnsinn drin und ein großer Freundeskreis. Ich glaube Techno in Halle geht es gut und für Nachwuchs wird immer wieder gesorgt.



Wie hat sich die Stadt und ihre Szene entwickelt bzw. verändert?

Falko: Da ich erst 2008 nach Halle gekommen bin, ist das sehr spekulativ aber ich versuche es mal. Am Anfang, so Anfang der 90er, war die Szene in Halle unglaublich klein. Das waren vielleicht 100 Leute, die sich alle kannten. Von diesen Leuten hat eine handvoll illegale Parties organisiert. Mitte der 90er kam dann der große Medienrummel mit VIVA und Marusha. Techno wurde angesehen und Veranstalter erkannten, dass man damit Geld verdienen kann. Parallel dazu gab es aber immer die Leute, die das einfach nur der Musik wegen gemacht haben. Und so entwickelten sich diese großen Hallenraves und als Kontrast dazu, kleinere Clubs. Anfang der 2000er wollte niemand mehr in riesigen Hallen tanzen und Clubs und Festivals entstanden. Und diese Entwicklung hat sich dann professionalisiert und wir haben heute ein paar Indie-Clubs in Halle, Crews, die kleine Festivals machen und immer wieder ein paar spontane Parties.



Siehst du Parallelen zu anderen Städten?

Falko: Ich glaube, dass es vor allem eine Entwicklung in den neuen Bundesländern ist, die die Entwicklung von Techno begünstigt hat. Ab einer gewissen Stadtgröße hat man genug Leute, die die gleichen Interessen haben und auch genug Publikum vor Ort ist, um das Ganze zu tragen. Das soll heißen, ich glaube, alle Städte mit ähnlicher Größe haben so eine Entwicklung durch. Jena ist da glaube ich ein gutes Beispiel.



Wann und wo wird dein Buch und die dazugehörige Musik erscheinen bzw. wo kann man es kaufen?

Falko: Ich muss noch ein paar Korrekturen machen und am Bildmaterial arbeiten. Auch muss ich noch die Crowdfunding-Kampagne starten, aber ich denke ab Sommer diesen Jahres kann es losgehen mit unterstützen, so dass im Herbst jeder sein Buch und seine Musik in der Hand hält.



Wir danken Falko nicht nur für seine Antworten — vor allem muss man ihm danken, dass er sich die Zeit genommen hat, dieses Projekt so umfangreich und vor allem liebevoll umzusetzen. Es durchzublättern lässt mehr als nur Einblicke zur Historie der elektronische Kultur in Halle an der Saale zu und zeigt, dass man sich nicht zu verstecken braucht. Ein Projekt, initiiert und auf dem Punkt gebracht von einem „Zugereisten“. Und eine Sache, die es ohne Frage via Crowfunding zu unterstützen gilt!

 

 

Text: Michael Hübel • Layout: rwnd

 

 

 

 

Falko Gerlinghoff, selbst Teil des DJ-Duos Viktor Talking Machine vom Label Monaberry, lebt seit 2008 in Halle. In seiner Masterarbeit beschäftigt sich der Burgstudent mit der elektronischen Subkultur in Halle an der Saale von 1990 — 2015. Am 26. Januar 2016 präsentierte Falko seine Abschlussarbeit im passenden Clubkontext im Charles Bronson in Halle und weckte damit nicht nur unsere Aufmerksamkeit. Wir sprachen mit Falko und er stand uns zu seinem sehr beeindruckenden Projekt, das neben einem Buch auch ein Vinylpaket mit exklusiven Tracks aus Halle umfasst, kurz Rede & Antwort.

Links zum Crowfunding folgen in kürze.


by rwnd