JOYFRIEND — „Labelarbeit learning by doing.“

 

 

 

In Zeiten, in denen es Labels wie Sand am Meer gibt, habt ihr euch 2014 dazu entschieden,
ein eigenes Label für House und Techno zu gründen. Warum?

Joyfriend: Weil es die natürliche Assoziationsform für Künstler in diesem Genre ist. Sie gestattet es uns, sowohl als DJs/Live Acts auf eigenen Partys aktiv zu sein, als auch Aktivitäten in und um das Studio geschlossen einzubinden sowie eine Plattform für grafische Gestaltung zu haben und selbst Distributionsformen für die eigene Musik auszuprobieren, im Prinzip also den ganzen Produktionsprozess im Web 2.0 nach eigenen Wünschen und Vorstellungen zu gestalten. Wenn es Labels wie Sand am Meer gibt, ist es umso schöner zu versuchen, diesem Begriff einen individuellen Stempel aufzudrücken.

 

 

Was ist das Besondere an eurem Label? Womit hebt ihr euch von der Masse ab?

Joyfriend: Das Urteil, ob wir uns nach außen hin bereits abheben und etwas besonderes sind, steht noch aus; das können wir im Augenblick also noch gar nicht beurteilen, zumal das Label auch noch so jung ist. Für uns selbst hingegen ist das ganze Projekt natürlich etwas besonderes, weil wir als Freunde zusammengekommen sind, um gemeinsam Musik zu machen und es somit gleichbedeutend mit geteilten Erfahrungen ist, guten wie schlechten. Wenn wir unseren eigenen Ansprüchen gerecht werden können und das Label langfristig durch Qualität besticht, sodass es für Außenstehende ebenfalls eine spezielle Bedeutung gewinnt, freut uns das natürlich umso mehr!

 

 

Neben den Releases, die ihr mit viel Hingabe produziert, habt ihr
ein sehr auffälliges Artwork. Wie seid ihr dazu gekommen? Wer macht es?

Joyfriend: Maria. Sie ist angehende Studentin für Kommunikationsdesign und seit Anfang an bei dem Projekt dabei. Das hängt wohl nicht zuletzt mit ihrer eigenen Leidenschaft für elektronische Musik zusammen. Sie hat alle bisherigen Artworks gestaltet und wir freuen uns wahnsinnig, sie mit an Bord zu haben, zumal sie auch sonst einfach super ins Team passt. Das macht die Zusammenarbeit umso angenehmer, da wir uns im Vorfeld mit ihr ein wenig über das Grundkonzept der entstehenden Platte austauschen können und sie danach freie Hand hat und sich austoben kann.

 

 

Mit vier Acts seid ihr für ein kleines Label doch recht stark aufgestellt. Ihr habt gute Kontakte in den Norden
und anhand der Künstler, die euch Remixe liefern, sieht man auch, dass ihr sehr gut vernetzwerkt seid.
Ihr tourt mit Labelshowcases durch einige Clubs (und habt stets externe Acts dabei).
Wie gestaltet sich euer Labeldasein im zweiten Jahr des Bestehens?

Joyfriend: Learning by doing — Es ist vor allem schön zu beobachten, dass sich bei uns individuelle Stärken herauskristallisieren, die uns als Label gemeinsam wachsen lassen und unser Umfeld in alle Richtungen vergrößert. Insgesamt ist die Arbeit im Label routinierter geworden und hat an Struktur gewonnen. Das möchten wir gerne auch im zweiten Jahr ausbauen und uns weiterentwickeln.

 

 

Ihr wohnt alle in Halle. Ihr lebt und produziert hier und seit hier auch auf der einen oder anderen Veranstaltung vertreten. Wie hat sich Halle und vor allem die Szene in den letzten Jahren entwickelt?

Joyfriend: Da die meisten von uns zwecks Studiums zugezogen sind, können wir zwar nur einen begrenzten Zeitraum beurteilen, aber es scheint so, als hätte die Szene neben der Herausbildung fester Größen insbesondere an Vielfalt hinzugewonnen. Die Auswahl für Gäste hat sich dadurch im Allgemeinen natürlich verbessert, was Halle aus unserer Sicht zu einem klasse Ort für elektronische Musik macht.

 

 

Wie sehen eure Zukunftspläne aus? Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

Joyfriend: Wissen wir noch nicht so genau, Headliner beim Wacken wäre aber schön.

 

 

Text: Michael Hübel • Layout: rwnd

Das Label Joyfriend wurde 2014 von acht Freunden in Halle gegründet. Die Musik, die auf dem noch jungen Imprint erscheint, bewegt sich zwischen House und Techno. Dabei liefern die Künstler ein sehr attraktives Gesamtpaket: die Musik, die natürlich im Vordergrund steht, wird mit einem  liebevoll gestaltetem Artwork garniert und mit regelmäßig stattfindenden Label-Showcases greifbar gemacht. Zwischen dem aktuellen Release, der Ryder EP von Phillip Harms, dem Live-Set, an dem das Projekt Odd Only gerade weiterarbeitet und der #41, mit der Illy Noize den neuesten Podcast für From Halle With Love liefert, fand das Kollektiv Zeit, um uns die ein oder andere Frage zu ihrer Labelarbeit zu beantworten.