LABIM — ein Möglichkeitsraum

Im Interview mit Christian Schunke, Vorstand „Plan 3 e.V.” / La Bim.


Das La Bim scheint Sorgen gewohnt zu sein. Nach dem Weggang des ursprünglichen Vereins, der sich dem alten Kino kurz nach der Wende annahm, drohte im Jahr 2009 die Schließung des Hauses. Was hat euch dazu bewogen, sich gegen ein Ende zu stellen und das La Bim als solches fortzuführen und welchen Herausforderungen musstet ihr euch bisher mit solch einem Mammutprojekt stellen?

Einen neuen Verein als Trägerverein des Hauses zu gründen, war vor allem der Gedanke, das Haus weiterhin als „Möglichkeitsraum“ für verschiedenste Ideen nutzen zu können und zu entwickeln. Eine der größten Herausforderungen im Zusammenhang mit der Nutzung seit 2011 war die marode Bausubstanz, die wir mit erheblichen finanziellen Mitteln wiederherstellen mussten. Die Idee ist damals wie heute die eines selbstbestimmten Hauses, das von verschiedensten Akteuren genutzt werden kann. Ein Konzept bei dem der monetäre Aspekt nicht im Vordergrund steht.



Mit eurer Tätigkeit als Verein leistet ihr unglaubliche Arbeit für die hallesche Kultur. Ihr gebt mehreren Vereinen und KünstlerInnen, darunter auch DJs und ProduzentInnen, ein Dach über den Kopf. Das Kino ist immer noch in Betrieb und bietet sowohl mit der Auswahl an Filmen als auch durch die Saalgröße eine wunderbar familiäre Atmosphäre. Wie wichtig ist das Kino für das Haus?
Das Kino war und ist immer noch das kleine Herz des Hauses. Wir versuchen, seitdem wir die Etage nutzen, das Kino nicht als kommerzielle Nutzung zu betreiben sondern vor allem Filme zu zeigen, die auch in Programmkinos keinen Platz finden. Aus dieser Idee ist die Monstronale Reihe entstanden, die einmal oder mehrmals im Monat Kinoveranstaltungen jenseits des kommerziellen Autorenkinos anbietet. Aus der Reihe ist letztlich auch unser internationales Kurzfilmfestival „Monstronale“ entstanden, das auch und gerade dieser Tradition verpflichtet ist und Kurzfilme zeigt, deren Autoren im weitesten Sinne auf der Suche nach dem Absonderlichen in der Welt sind.


Im April dann die nächste Herausforderung: ein Investor aus Leipzig sicherte sich insgesamt sieben Grundstücke im Charlottenviertel. Man kann davon ausgehen, dass auch das durchaus begehrte Grundstück, auf dem das La Bim steht, betroffen ist. Das bedeutet wohl oder übel, dass auch Halle an einem Clubsterben und Gentrifizierung nicht vorbeikommt. Wie habt ihr diese Information aufgenommen?

Die Information, dass Menschen mit großen Geldkoffern in der Stadt unterwegs sind und, sagen wir Filetstücke, im Charlottenviertel aufkaufen, war für uns erst einmal ein Schock. Unsere erste Reaktion war die Erstellung einer Online Petition zum Erhalt des Hauses am Standort.


Wie aussichtsreich ist die Petition und wie geht ihr vor, wenn ihr die 2.000 benötigten Stimmen für das Quorum erhalten habt?
Im Moment (Anfang Mai 2017, d. Red.) fehlen uns noch 150 UnterzeichnerInnen. Die Petition soll ja in erster Linie den städtischen Entscheidungsträgern die Wichtigkeit des Projektes vor Augen führen und wir werden demnächst auch Gespräche mit verschiedenen Akteuren führen, die in die stadtpolitischen Entscheidungen eingebunden sind.

Eine Petition regt immer Diskussionen an. Diskussionen, mit denen ihr euch seit Jahren beschäftigt – zumeist aber intern. Nun kommen Fragen an die Öffentlichkeit, die wahrscheinlich nur von den Betroffenen beantwortet werden sollten – Stichwort “Eigentumsrecht”. Ihr seid mit 20% Anteilseigner und habt damit ein Stimmrecht zur Nutzung des Hauses. Wie verhält es sich aber mit den Erben, die seit Jahren versuchen, das Haus zu veräußern oder anderweitig zu nutzen, sich aber scheinbar nicht einigen können?
Also ganz kurz zur momentanen Situation: Wir halten als Verein 20 Prozent am Gesamtgrundstück, die Erben die bis dato nie in Erscheinung getreten sind, versuchen gerade, unseren Mietvertrag anzufechten und uns zumindest aus dem Haus herauszubekommen. Für die wortführende Partei sind wir quasi Hausbesetzer und Schmarotzer. Dass wir seit Jahren die gesamten Kosten am Grundstück tragen und alle nötigen Sicherungsmaßnahmen am Haus finanziell gestemmt haben, interessiert in diesem Zusammenhang keinen. Die grundsätzliche Idee der Erbengemeinschaft ist ein Verkauf und ein entsprechender Gewinn.



Einer Konfrontation, der sich fast jede Kulturstätte in Halle ausgesetzt sehen muss, ist das Miteinander mit den Anwohnern. Als Kontra zur Petition liest man: “Müll, Krach und ständig alkoholisierte Jugendliche in der Umgebung sind das Ergebnis der Events im linkslastigen La Bim. Es wird Zeit für eine prägende Veränderung in diesem Viertel mit einer bürgerorientierten Wohnkultur ohne Krach, Müll und ständig alkoholisierte Jugendliche!” — wie geht ihr das Problem der Ruhestörung mit einem Haus in dieser Lage an? Schließt man in der Zukunft “laute” Veranstaltungen aus?
Das Problem der Anwohner mit einem Haus wie dem unseren ist immer auch eine Frage urbaner Kultur. Wir bieten verschiedenste Veranstaltungen von Kino über Songslam bis hin zu Konzerten oder halt den elektronischen Musikformaten an. Die Frage, die sich dabei stellt ist: würde der Normalbürger, so wir ihn denn so nennen können, diese Veranstaltungen wahrnehmen und wenn die Antwort nein ist, dann müssen auch wir uns fragen woran es liegt. Vielleicht fahren ja die Bewohner, die das angesprochen haben, auch gern nach Leipzig in Läden, die aussehen wie unserer aber wollen zu Hause ihre Ruhe, bedenken aber nicht, dass die Anwohner in Leipzig vielleicht ein ähnliches Problem haben, es aber eher akzeptieren, da sie im urbanen Raum leben. Vor allem muss man konstatieren, hat Halle einen Drang zur kleingeistigen Ruhe, die ständig eingefordert wird, aber Stadt war noch nie leise, Stadt hat immer etwas Pulsierendes, Lebendes — auch in der Nacht.



Im Juni feiert ihr den 25. Geburtstag. Es gibt kaum subkulturelle Einrichtungen in Halle, die sich so lange halten — also ein Grund zu feiern. Wie sieht euer Programm aus?

Zum 25. Geburtstag werden alle, die jemals im Haus Veranstaltungen gemacht haben, da sein und die Tage gestalten. So werden Time to get Lost vertreten sein, Groundloop, Come Clean, Discotheque Mutant, Gypsy Tango um nur ein paar zu nennen. Wir freuen uns, dass unsere AteliernutzerInnen wieder eine Modenschau auf die Beine stellen und der Halternativ e.V. einen Songslam macht. Auch das Kino, sprich die Monstronale Reihe, wird aktiv sein und „Themroc“ zeigen — ein Film, der schon fast eine Labim-Tradition ist. Wir freuen uns vor allem, alle einzuladen, die schon die Anfänge des La Bim geprägt haben und auf einen unerschöpflichen Haufen wunderbarer Musik.

 

 

Das La Bim hat viel geschafft und geschaffen. Was habt ihr vor, wenn das Haus auch über einen Investor hinaus bestehen sollte?

Im Moment machen wir uns sehr wenig Illusionen was das Haus am Standort anbelangt. Wenn sehr viele Menschen mit großen Geldkoffern unterwegs sind, heißt das nicht dass sie altruistische Projekte unterstützen wollen. Was wir wissen ist, dass wir den Verein und das Projekt La Bim nicht sterben lassen wollen und alles versuchen um es weiter bestehen bestehen zu lassen. Vielleicht auch an einem anderen Ort.

Zur Petition geht´s hier lang: Klick

Text: Michael Hübel • Layout: rwnd • Fotos: Herr Bohn

Verschlägt es einen nach Halle, erfährt man schnell von der Übersichtlichkeit der Clublandschaft. Neben Diskotheken wie Palette, Turm, Schorre oder Druschba findet man erst in Locations wie dem Charles Bronson, der Station Endlos oder im versteckten Teil der Reil 78, der Chaiselounge, die Möglichkeit, den Durst nach Techno und elektronischer Musik zu stillen. Nicht zu vergessen ist das La Bim, das sich in unmittelbarer Zentrumsnähe am Leipziger Turm befindet. In den letzten Jahren ist viel passiert rund um‘s La Bim und 2017 feiert das Haus seinen 25. Geburtstag. Im April diesen Jahres trübt die Freude über das lange Bestehen jedoch eine bedrückende Botschaft und es stellt sich die Frage, ob sich Halles ältestes Kino um seine Existenz sorgen muss: Die Stadtbau AG aus Leipzig investierte mehrere Millionen und sicherte sich insgesamt sieben Grundstücke im Charlottenviertel, in dem auch das La Bim verortet ist. Ob das traditionsreiche Haus auch vom Millionendeal des Investors betroffen sein wird, ist bis dato noch unklar. Im Zuge dieser Information initiierten die Mitglieder des Plan 3 e.V. kurz eine Petition zum Erhalt des Hauses, das seit Jahren als Anlaufstelle für Kunstschaffende, gemeinnützige Vereine und VeranstalterInnen gilt.

 

Wer längere Zeit in Halle lebt, weiß um die Bedeutung und Notwendigkeit einer Einrichtung wie die des La Bim. Schon in den turbulenten Jahren der Wende erkennen fünf Cineasten das Potential des ungenutzten Gebäudes am Töpferplan 3 und gründen das „Kino La Bim” als erstes hallesches Programmkino. Im Laufe kürzester Zeit wird das La Bim zu einer festen Anlaufstelle für Fans außergewöhnlicher und anspruchsvoller Filme. Dem persönlichen Engagement der ehrenamtlichen Mitglieder ist es zu verdanken, dass das Haus über die eigentliche Kinoarbeit hinaus wächst und sich in seinem Wesen zu einem Repräsentanten nicht-kommerzieller Kultur entwickelt. Das La Bim stellt seitdem einen unverzichtbaren Mehrwert für die Nischen der Subkultur in der Saalestadt dar: Neben filmischen Beiträgen zu aktuellen politischen und sozialen Themen und begleitenden Diskussionen finden in regelmäßigen Abständen Konzert- und Tanzveranstaltungen statt — die Einrichtung am Töpferplan 3 festigte seine Relevanz als Ort der unabhängigen Kultur und Begegnung.

 

Im November 2009 stellt sich der neu gegründete Verein „Plan 3 e.V.” der Aufgabe, die Idee der BegründerInnen fortzuführen und eine drohende Schließung zu vermeiden. Man hat sich zum Ziel gesetzt, die dauerhafte Nutzung des Gebäudes am Leipziger Turm nicht nur weiterzuführen sondern langfristig auf alle Räumlichkeiten zu erweitern und so dem weiteren Verfall Einhalt zu gebieten.

Links:

La Bim
Monstronale Reihe
Kurzfilmfestival „Monstronale“
Petition